Es ist unsere Aufgabe die Hochschule zu schützen – das geht nur mit Transparenz und Aufklärung
Landtagsabgeordnete fordert umfassende Transparenz zu Vorwürfen am European Campus – Wissenschaftsminister Blume in der Verantwortung – Internationale Studierende dürfen nicht pauschal unter Verdacht geraten
Pfarrkirchen. Die Berichterstattung der „Welt am Sonntag“ über den European Campus Rottal-Inn wirft ernste Fragen auf. Die niederbayerische Landtagsabgeordnete Mia Goller (Grüne) fordert deshalb eine umfassende und transparente Aufklärung durch die Technische Hochschule Deggendorf und das Bayerische Wissenschaftsministerium. Es müsse jetzt ehrlich hingeschaut werden, um Vertrauen zurückzugewinnen und möglichen Schaden für den Hochschulstandort abzuwenden.
„Der European Campus ist eine große Chance für Pfarrkirchen und die gesamte Region. Junge Menschen aus aller Welt kommen hierher, studieren, lernen unsere Region kennen und bringen neue Perspektiven mit. Das ist ein Gewinn, den wir nicht leichtfertig aufs Spiel setzen dürfen“, betont Goller.
Gerade deshalb müssten die bekannt gewordenen Vorwürfe ernst genommen und sorgfältig aufgearbeitet werden. Laut „Welt am Sonntag“ weisen interne Hochschulstatistiken für mehrere Bachelorjahrgänge Abgangsquoten von rund 80 Prozent aus. Die Hochschule erklärt diese Zahlen unter anderem mit Studiengangs- und Hochschulwechseln und verweist auf mehr als 1000 erfolgreiche Abschlüsse seit der Gründung.
„Wir müssen genau hinschauen und sauber unterscheiden: Wer hat das Studium tatsächlich abgebrochen? Wer hat den Studiengang oder die Hochschule gewechselt? Und wie viele Studierende erreichen erfolgreich ihren Abschluss? Wir brauchen belastbare Zahlen und eine ehrliche Einordnung. Nur so können wir erkennen, wo es tatsächlich Probleme gibt und was sich verbessern muss“, erklärt Goller.
Aufklärung statt politischer Stimmungsmache
Besonders wichtig ist Goller, dass die Diskussion nicht auf dem Rücken der internationalen Studierenden ausgetragen wird. Sie warnt davor, die Vorwürfe zu nutzen, um pauschal Ressentiments gegen ausländische Studierende und internationale Bildungsangebote zu schüren.
„Ich möchte nicht, dass berechtigte Fragen zu Missständen am Campus zum Anlass für rechte Stimmungsmache gegen internationale Studierende werden. Wer Probleme verschweigt oder kleinredet, macht es denen leicht, die ohnehin gegen Vielfalt und internationale Zusammenarbeit Stimmung machen wollen. Unsere Antwort darauf muss Ehrlichkeit sein: offenlegen, aufklären und dort Konsequenzen ziehen, wo sie notwendig sind.“
Hinter den Statistiken stünden schließlich junge Menschen, die sich bewusst für ein Studium in Pfarrkirchen entschieden hätten. „Wer ernsthaft hier studieren möchte, verdient faire Chancen und gute Studienbedingungen. Gleichzeitig müssen wir sicherstellen, dass öffentliche Mittel sinnvoll eingesetzt werden und die Hochschule ihrer Verantwortung gerecht wird. Beides gehört zusammen.“
Blume muss Antworten liefern
Besonders in der Verantwortung sieht die Abgeordnete Wissenschaftsminister Markus Blume (CSU). Dieser räumte gegenüber der Zeitung Probleme ein und verwies auf einen bereits länger laufenden Austausch zwischen Ministerium und Hochschule.
„Wenn das Ministerium die Schwierigkeiten schon länger kennt, muss Markus Blume jetzt erklären, welche Erkenntnisse bereits vorliegen, welche Maßnahmen ergriffen wurden und ob diese tatsächlich greifen. Wir brauchen eine ehrliche Bestandsaufnahme und einen konkreten Plan, wie der Studienerfolg verbessert und Vertrauen zurückgewonnen werden kann“, fordert Goller.
Sie werde deshalb auf Landesebene genau verfolgen, wie das Wissenschaftsministerium mit den Vorwürfen umgeht und welche Konsequenzen aus der Aufarbeitung gezogen werden.
Eine Chance für die ganze Region
„Wir brauchen den European Campus. Aber wir brauchen ihn als funktionierenden, glaubwürdigen und erfolgreichen Hochschulstandort. Dafür müssen alle Beteiligten Verantwortung übernehmen – die Hochschule, der Landkreis und der Freistaat. Es geht jetzt nicht um Schuldzuweisungen oder politische Profilierung, sondern darum, gemeinsam die richtigen Konsequenzen zu ziehen und den Standort langfristig zu stärken.“
Für Goller steht fest: „Ich stehe hinter dem European Campus und den vielen Menschen, die hier studieren, lehren und arbeiten. Gerade deshalb dürfen wir nicht wegschauen. Vertrauen entsteht nicht dadurch, dass man Probleme verschweigt, sondern dadurch, dass man sie offen anspricht und löst. Unser Hochschulstandort hat eine Zukunft verdient. Jetzt müssen wir alles dafür tun, dass diese Zukunft nicht durch ungelöste Probleme gefährdet wird.“